Daheim e.V.
 

28.11.2014 | Neue Westfälische | Eike J. Horstmann

Vor Ort, gezielt und bedarfsorientiert

Der Verein „Daheim“ sorgt seit 25 Jahren für ambulante und stationäre Pflege / Heute Feierstunde im Kreishaus

Am Anfang des Vereins war eine Idee, die bei der Gründungsversammlung am 28. November 1989 auf ein einfaches Blatt Papier passte: In Gütersloh sollte ein Tagesangebot für Pflegebedürftige ins Leben gerufen werden, das sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Patienten orientiert und ihnen gleichzeitig ein Leben in ihrer gewohnten Umgebung ermöglicht. 25 Jahre später ist aus dem Verein und der Idee ein Unternehmen geworden, das kreisweit mit 500 Mitarbeitern rund 2.000 Menschen betreut. Heute wird das Jubiläum mit einer Feierstunde im Kreishaus begangen.

Die rasante Entwicklung, die der Verein „Daheim“ genommen hat, konnten die Gründungsmitglieder vor einem Vierteljahrhundert kaum erahnen. „Als wir damals anfingen, war der Begriff ,Demografischer Wandel‘ nicht einmal ein Fremdwort, sondern gar kein Wort“, sagt Daheim-Geschäftsführer Burkhard Kankowski. Die pflegebedürftigen Menschen wurden entweder in der Familie betreut, in ein Pflegeheim gegeben oder landeten direkt in der Gerontopsychiatrie. „Ambulante Angebote gab es damals überhaupt nicht.“

Dies sollte sich langsam aber sicher ändern, als im November 1989 in der Weberei Pflegemitarbeiter und Angehörige von Pflegebedürftigen zusammenkamen, um ihren Vorstellungen einer patientenorientierten Pflege eine Form zu geben. Die Geburtsstunde des Vereins – der zunächst „Zuhause“ hieß. „Das holperte aber ein wenig und reimte sich nicht“, sagt Kankowski, der zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. „Deshalb haben wir ihn schon in den nächsten Tagen in ,Daheim‘ umbenannt.“

Wiederum kurze Zeit später entwickelte der Verein eine für die Gründungsmitglieder überraschende Dynamik. „Es überschlug sich alles“, erinnert sich Kankowski. „Die Leute sind uns die Türen eingerannt.“ Auf Vermittlung des ärztlichen Leiters der LWL-Klinik, Klaus Dörner, fand der Verein an der Fritz-Blank-Straße sein erstes Domizil, ein aufgegebener Tante-Emma-Laden wurde zur Tagespflege umgebaut. 1991 eröffnete die Einrichtung mit Plätzen für zwölf Personen – damals die zweite ihrer Art in ganz Nordrhein-Westfalen. 1993 wurde der Bürgermeister von Rheda-Wiedenbrück, Helmut Feldmann, auf die Arbeit aufmerksam. „Er sagte: So was brauchen wir auch“, erinnert sich Kankowski. „Und er sprach von einer Art Kindergarten für alte Leute. Vor so einem Begriff würden wir uns heute natürlich verwahren.“ Auch diese 1994 gegründete Einrichtung im ehemaligen Schwesternheim des St.-Elisabeth-Altenheims wurde ein Erfolg, „Daheim“ baute seine Aktivitäten in den folgenden Jahren weiter aus (siehe Info-Kasten).

Mit der ersten ambulanten Hausgemeinschaft an der James-Watt-Straße in Gütersloh betrat der Verein im Jahr 2000 Neuland. „Das Thema boomt bis heute“, sagt der Daheim-Vorsitzende, Bernd Meissnest. Im gesamten Kreisgebiet gibt es inzwischen 600 Plätze in Haus- und Wohngemeinschaften, der Bedarf wird weiter steigen. Der nächste Schritt sei nun, die Einrichtungen in die Wohnquartiere zu den Menschen zu bekommen. „Vor Ort, gezielt und bedarfsorientiert“ solle die zukünftige Versorgungsstruktur sein, so Kankowski: „Es geht nicht, dass irgendwo ein großes Haus hingestellt wird, wo jeder rein kommt, der stört.“ Entsprechend sind weitere Neubauten in Planung oder bereits im Entstehen. Trotz der stationären Angebote bleibt der Schwerpunkt von „Daheim“ die ambulante Pflege. Dafür bildet der Verein seit 2003 auch selbst aus. „Wir haben seit dem 60 Pflegefachkräfte ausgebildet“, sagt die Pflegedienstleiterin Marlene Kuhlmann. „Da sind wir auch stolz drauf.“

Das 25-jährige Bestehen des Vereins „Daheim“ wird heute ab 10.30 Uhr mit einer Feierstunde im Kreishaus begangen. Als Redner werden unter anderem Landrat Sven-Georg Adenauer, Klemens Keller (Vertreter der Bürgermeister im Kreis), Ulrike Boden (AWO-Geschäftsführerin) erwartet.

 

Information

Die Chronik

Der „Verein Daheim“ wurde am 28. November 1989 bei einer Versammlung in der Weberei gegründet.

1991 öffnete die erste Tagespflege in Gütersloh.
Die ambulante Wohnbetreuung startete 1993, der ambulante Pflegedienst folgte ein Jahr später. Gleichzeitig wurde in Rheda-Wiedenbrück eine Tagespflegeeinrichtung eröffnet.

1996 startete der Verein seine Tagespflege in Halle sowie ambulante Pflegedienste in Halle und Rheda-Wiedenbrück.

Die erste Hausgemeinschaft wurde 2000 gegründet, weitere folgten.

2001 nahm die Kurzzeitpflege ihren Dienst auf.
Die ambulante Wohnbetreuung in Rheda-Wiedenbrück und Halle besteht seit 2005. ?(he)