Daheim e.V.
 

17.09.2016 | Neue Westfälische | Roland Thöring

Verl hat eine ambulante Hausgemeinschaft

Einrichtung vom Verein Daheim an der Paderborner Straße eingeweiht

Verl. Als der zehn Jahre zuvor unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt gegründete Verein "Daheim" 1999 seine erste Ambulante Hausgemeinschaft für pflegebedürftige Menschen im Kreis Gütersloh einrichtete, was diese Idee noch so ungewöhnlich, dass sie zu einem Modellprojekt der Bundesregierung erhoben wurde. 17 Jahre später weihte der Verein mit Sitz in Gütersloh gestern seine zwölfte Hausgemeinschaft ein: im Neubau der Koors, Fortkord, Niederschulte Grundstücks- und Bauherrengemeinschaft an der Paderborner Straße 37.

Im rückwärtigen Bereich des Bürogebäudes, in das die Steuerberater Koors und Fortkord sowie die Lernhilfe von Norma Schmalenstroer eingezogen sind und in dem am 1. Oktober Jörg Abramovski eine Zahnarztpraxis eröffnen wird, bietet die Wohngruppe für betreutes Wohnen 16 Bewohnern im Erdgeschoss ein neues Zuhause. Zwölf der Zimmer mit eigenem Bad sind bereits vermietet. Im Staffelgeschoss befinden sich sieben weitere barrierefreie Wohnungen. Sie sind ebenfalls an die Betreuung angeschlossen. Die Bewohner können die Pflegeleistungen in Anspruch nehmen, müssen es aber nicht.

Der Vorsitzende des Vereins, Bernd Meißnest, betonte bei der kleinen Feier gestern vor zahlreichen Gästen, "Daheim" wolle das Konzept der Ambulanten Hausgemeinschaften weiter ausbauen: "Auch Sürenheide würde eine solche Hausgemeinschaft gut tun." Die Menschen wollten im Alter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Und wenn sie schon ihr eigenes Zuhause verlassen müssten, dann wollten sie wenigstens in die vertraute Nachbarschaft ziehen. In einer Hausgemeinschaft leben pflegebedürftige Menschen zusammen, die Mieter ihrer eigenen Räume sind und diese nach eigenem Geschmack einrichten können.

Jede Hausgemeinschaft verfügt über einen Gemeinschaftsbereich mit Küche, Wohn- und Esszimmer. Die Gesamtfläche der Hausgemeinschaft an der Paderborner Straße beträgt 930 Quadratmeter inklusive der Kellerräume, in denen sich ein Raum für kleinere Fest befindet, der allen Bewohnern zur Verfügung steht. Nutzen wollen ihn künftig auch Stadt und Volkshochschule für die Ausbildung von Seniorenbegleitern.

Bürgermeister Michael Esken betonte, wie wichtig es angesichts der demografischen Entwicklung sei, dass sich ein Verein wie "Daheim" in Verl engagiere: "Wir brauchen solche Einrichtungen." Seinen Dank richtete er auch an die Investoren, für die Jens Niederschulte stellvertretend über die Umsetzung des Projektes seit der ersten Idee im Herbst 2013 sehr unterhaltsam berichtet hatte. Und mit Blick auf das Alter der meisten Festgäste sagte er: "Demografie ist wie Klimaerwärmung: Alle reden darüber, aber glauben nicht so richtig, dass es sie betreffen wird. Doch die Einschläge kommen näher."

Ulrike Boden, Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes, betonte den Vorteil einer Ambulanten Hausgemeinschaft für die Pflegebedürftigen. Wer im Alter allein zu Hause lebe, sei häufig auch allein. In einer Hausgemeinschaft würden viele Kompetenzen reaktiviert. In Gemeinschaft unternehmen die Bewohner Ausflüge, sie kochen beispielsweise zusammen.

Vom Erfolg des Modells Ambulante Hausgemeinschaft berichtete auch die Leiterin des Sachgebiets Pflege beim Kreis Gütersloh, Monika Nopto. Mittlerweile gebe es kreisweit 700 Plätze in Einrichtungen dieser Art, allein in den zwölf "Daheim"-Hausgemeinschaften seien es 186. "Die wohnortnahe, kleinräumige Rund-um-die-Uhr-Versorgung ist aus der Pflegelandschaft nicht mehr wegzudenken."