Daheim e.V.
 

05.03.2015 | Westfalen Blatt | Carsten Borgmeier

Rosenduft weckt Erinnerungen

In der Hausgemeinschaft Stükerkamp werden 17 an Demenz erkrankte Senioren gezielt betreut

Kreis Gütersloh (WB). Wer im Kreis Gütersloh an Demenz erkrankt, hat Glück im Unglück: Zwischen Halle im Norden und Rheda-Wiedenbrück im Süden besteht bundesweit eines der besten Netzwerke zur Pflege dieser Menschen. Eine Vorzeige-Einrichtung dabei ist die Hausgemeinschaft Stükerkamp, in der 17 Senioren mit Demenz leben.
Der Verein Daheim als Träger dieser erst sechs Jahre alten Einrichtung in Gütersloh-Spexard hat sein Konzept passgenau auf die Defizite und Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten. Die Frauen und Männer im Alter von 70 bis 95 Jahren leiden alle in unterschiedlicher Stärke an der nicht heilbaren, neurologischen Erkrankung, bei der der »Verstand schwindet«, wie der lateinische Begriff Demenz frei übersetzt werden könnte.


»In unseren Hausgemeinschaften legen wir großen Wert darauf, dass die Bewohner ihr normales Leben so lange wie möglich führen können«, sagt Alexandra Peters (35) als zuständige Regionalleiterin zweier solcher Einrichtungen. Neben der Hausgemeinschaft in Spexard gibt es noch eine weitere am Westfalenweg in Gütersloh. Dort sind ebenfalls an Demenz erkrankte Menschen zu Hause.
Welcher Wochentag ist heute? Gibt es gleich Frühstück oder Abendessen? Wie heißt der Mann am Nachbartisch? Diese oder ähnliche Fragen plagen Bewohner der Hausgemeinschaft Stükerkamp, denn ihre Erkrankung greift vor allem das Kurzzeitgedächtnis an. Das Fachpersonal weiß um diese Defizite, geht daher behutsam auf die Senioren ein.


Maria Kammermann zum Beispiel ist als Ergotherapeutin mit einer Zusatzqualifikation in der Gerontopsychiatrie zwei Mal pro Woche am Stükerkamp zu Gast. Zu jedem Besuch denkt sich die 60-Jährige ein Thema aus, mit dem sie die Bewohner – meist in kleinen Gruppen – zu Wahrnehmungsübungen animiert.
 Bei ihrem jüngsten Motto geht es um Märchen: »Was lange zurückliegt, ist in der Erinnerung dieser Menschen oftmals noch vorhanden«, berichtet Kammermann, die eine Rose, eine goldene Kugel, einen Wolf als Kuscheltier, einen Hahn aus Holz sowie einen Damenschuh auf dem Tisch legt.
»Was haben diese Dinge miteinander zu tun?«, fragt die Therapeutin in die Runde. Doch anstatt den gewünschten Hinweis auf die Märchenthematik von »Aschenputtel«, »Froschkönig« oder »Rotkäppchen« zu erhalten, wird Kammermann erstmal zurechtgewiesen: »Schuhe gehören nicht auf den Tisch«, stellt eine 85-Jährige klar. Erst als die Therapeutin den Pantoffel unter den Tisch stellt, kann weiter geraten werden. Parallel dazu achten Fachkräfte wie Stefanie Recketat (30) oder Heike Schneidewind (37) darauf, dass die Senioren genug Flüssigkeit und Nahrung zu sich nehmen. Das gelingt, indem sie beispielsweise bei der Zubereitung der Speisen mit einbezogen werden.
Das Konzept der Hausgemeinschaften als Gegenpol zur vollstationären Unterbringung in einem Pflegeheim wurde mit der Fachklinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) entwickelt.