Daheim e.V.
 

07.08.2013 | Die Glocke | (gl)

Pflege-Konkurrenten ziehen an einem Strang

Kreis Gütersloh (gl) - Sie sind Konkurrenten auf dem Markt der ambulanten Pflege – nun aber üben sie den Schulterschluss: Die Freien Wohlfahrtsverbände im Kreis Gütersloh haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft (AG) zusammengeschlossen. Mit einem Ziel, das die Pflege verbessern soll.

Dadurch wollen sie in den aktuellen Verhandlungen mit den Kassen ihren Forderungen nach höherer Vergütung und mehr Zeit für Pflege Nachdruck verleihen. Die im Juli auf Kreisebene gegründete AG repräsentiert knapp 5000 zu pflegende Patienten und mehr als 1200 Mitarbeiter.

Allein der Caritasverband für den Kreis Gütersloh beschäftigt einer Mitteilung zufolge 300 Kräfte in der ambulanten Pflege. Vorstand Matthias Timmermann: „Alle Pflegedienste haben die gleichen Probleme: Die Personalkosten sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Nur, die Kranken- und Pflegekassen refinanzieren das nicht ausreichend.“

„Mehr Zeit für Pflege“

 

Einem Kostenanstieg von 20 Prozent binnen zehn Jahren stehe ein mageres Einnahme-Plus von sieben Prozent gegenüber. Timmermann macht deutlich: „Es geht uns nicht allein um höhere Vergütung. Wir wollen mehr Zeit für die Pflege und damit mehr Zeit für unsere Patienten. Nur dadurch kann eine hochwertige Pflege erbracht werden.“

Zur Arbeitsgemeinschaft gehören Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Diakonie Gütersloh und Halle, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Verein Daheim, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der Förderkreis „Wohnen, Arbeit, Freizeit“, Kolping, der Verein katholischer Altenhilfeeinrichtungen (VKA) und die Organisation „Lebensbaum Soziale Hilfe“. Die Kampagne „Mehr Zeit für Pflege“ im April war die erste gemeinsam Aktion. Unter anderem mit Autokorsos haben die ambulanten Dienste nach eigener Darstellung „öffentlichkeitswirksam erfolgreich auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht“ („Die Glocke“ berichtete). Diesen Schwung will man beibehalten.

Verhärtete Fronten mit Krankenkassen

„Kontakte auf Vorstands- und Geschäftsführer-Ebene hat es immer gegeben. Aber die Zusammenarbeit in einer AG ist neu. Und das macht ein gutes Gefühl“, freut sich Matthias Timmermann.

Ein gutes Gefühl und jede Menge Durchsetzungskraft – beides brauchen die Vertreter der ambulanten Dienste nun auch für die Gespräche mit den Kostenträgern. Völlig verhärtet sind nach ihren Angaben die Fronten nach den gescheiterten Verhandlungen mit den NRW-Krankenkassen. Dort steht eine Forderung der Wohlfahrtsverbände von 11,89 Prozent im Raum. Das Schiedsgericht ist eingeschaltet.

Die Verhandlungen mit den Pflegekassen auf Landesebene über die Vergütung für die ambulante Altenpflege laufen derzeit noch. Das Ergebnis will die AG abwarten. In jedem Fall werden die Wohlfahrtsverbände regelmäßig weitere Aktionen beraten.