Daheim e.V.
 

14.06.2014 | Neue Westfälische | Silja Erdsiek

Beim Tanzen kehrt das Lächeln zurück

Gesellschaft für Alzheimer-Erkrankte holt das Projekt "Wir tanzen wieder!" nach Gütersloh

Gütersloh. Die Alzheimergesellschaft Kreis Gütersloh hat mit der Tanzschule Stüwe-Weissenberg und Ideengeber Stefan Kleinstück das Angebot "Wir tanzen wieder!" für Demenzkranke in Gütersloh realisiert. Regelmäßig schwingen die Senioren nun für anderthalb Stunden das Tanzbein. Das Projekt soll Menschen mit Demenz in die Gesellschaft integrieren und zur Steigerung ihrer Lebensqualität beitragen.


Im Vorfeld waren 15 Mitarbeiter aus Einrichtungen der Altenhilfe im Kreis Gütersloh geschult worden, um den Tanz mit den Demenzkranken zu begleiten. Rund 40 Betroffene kommen nun alle vier Wochen an einem Donnerstag mit ihren Begleitpersonen in die Tanzschule. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass aber noch Platz für weitere Tänzer vorhanden sei.

"Am Anfang war ich ein bisschen skeptisch, weil ich dachte, der Aufwand für die Mitarbeiter und Fahrdienste wäre zu groß", sagte Tanzlehrer Michael Stallmann, der mit seiner Frau Gaby für das Entertainment sorgt. "Aber es wird super angenommen, und die Besucher freuen sich. Da wird schon eine Woche im Vorfeld das Tanzoutfit herausgelegt."

Der Ansatz von "Wir tanzen wieder!" ist es, an Normalität anzuknüpfen. "Viele Betroffenen sind zwar geistig nicht mehr fit, aber die Gefühle funktionieren noch genauso wie vor der Krankheit", sagte die gelernte Krankenschwerster Ingrid Werner, Ansprechpartnerin für das Projekt bei der Alzheimer Gesellschaft. "Beim Tanzen werden Erinnerungen an die Jugend, heitere Zeiten und sogar an die erste Liebe geweckt."

Das Angebot soll aktiv einer drohenden Isolation und Vereinsamung entgegenwirken und zur Integration beitragen. Man merke, dass die Demenzkranken Spaß haben, auch wenn sie es mit Worten nicht ausdrücken könnten, meint Ingrid Werner. "Neulich hat eine ältere Dame mir den Kopf auf die Schulter gelegt und war die ganze Zeit am Lächeln." Vor allem, wenn das Lied "Für mich soll?s rote Rosen regnen" laufen würden, hielte die Senioren nichts mehr auf ihren Plätzen.

"Wir haben noch nie zusammen getanzt", sagt ein verheiratetes Seniorenpaar. "Nur wenn wir hierhin kommen, dann tanzen wir."

Die Idee, mit Demenzkranken tanzen zu gehen, sei nicht neu. Jedoch fanden diese Veranstaltungen meistens in Gemeindesälen oder Senioreneinrichtungen statt. Das Projekt will das Tanzen auch für Senioren dort stattfinden lassen, wo sie in ihrer Jugend in ihrer Freizeit hingegangen sind. In einer Tanzschule sei noch mal eine ganz andere Atmosphäre; das fördere den Charme des Ausgehens.

Der nächste Tanznachmittag findet am Donnerstag, 10. Juli, bei Stüwe-Weissenberg statt. Der Abschluss ist am 11. Dezember, mit einem Abschlussball, wie es sich für eine Tanzschule gehört. 2015 werden dann die Termine für ein weiteres Jahr herausgegeben.

Des weiteren findet am Freitag, 24. Oktober, um 13.15 Uhr ein Flashmob unter dem Thema "Generationen bewegen" statt. Mit der Aktion wollen die Veranstalter die Öffentlichkeit auf unkonventionelle Art motivieren, dem Thema Demenz mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Es gibt etwa 1,3 Millionen Alzheimerpatienten in Deutschland. Die Dunkelziffer ist weitaus größer. Das Ziel des Projektes ist es, die Initiative "Wir tanzen wieder!" in möglichst viele Städte bundesweit zu bringen.